Hurricane '06

von Lars

Zelte fliegen weg, die Schweden fliegen wieder nach Hause und bei 35° auf staubigem Gelände fliegen tausende Hände in die Luft. Das war Hurricane.
Ein Festival, so Indie- und Trendversessen, wie noch nie zuvor.
Ein Festival in Staub und Hitze.
Ein Festival mit bester Stimmung, gutem Line-Up und geputzten Toiletten.

Wie die meisten Besucher trafen wir auch bereits Donnerstag am frühen Abend auf dem Gelände in der Nähe des niedersächsischen Dorfes Scheesel ein. Ein 45minütiger Kampf gegen Kaddas Aldi-Zelt, so wie eine anschließende Grilleinheit läutete für uns ein den Beginn von Woodstock in Norddeutschland ein.

Nach einer lauten, aber unspektakulären Nacht, begann der Freitag mit einem Einkauf bei Pennymarkt und dem Dorfbäcker. Die Spannung war groß, die Warterei zog sich hin und die Hitze nahm zu. Erstmals spürten wir mit aller Deutlichkeit den staubigen Campinguntergrund. Zur gleichen Zeit etwa beschloss ich auch meine Klamotten nicht mehr zu wechseln, geschweige denn zu duschen. Schon jetzt waren wir alle dreckig, mit Staub übersät, doch bei bester Laune. Dreckige Lebensmittel oder Bierdosen wurden genauso unter das Wort „Festival“ gerückt, wie die unerträgliche Hitze oder die verkrampfte Ausgelassenheit der Platznachbarn.

Irgendwann war es so weit: Der Nachmittag war so gut wie vorüber und bald sollte die erste Band spielen: Gogol Bordello, Psycho-Zigeunerpunk. Lustige Typen, aber nichts für mich.

Richtig interessant wurde es dann erst ab 20Uhr, als die Berliner Dubband Seeed das Parkett betrat und mit Rhythm’n’Swing die Crowd anheizte.

Anschließend trafen die Brote auf dem Gelände ein, souverän und das Publikum beherrschend, rockten sie in alter Manier mit neuen Remixes, wie zum Beispiel die „I like to move it“ Version von Nordish by nature.

Für mich persönlich die größte Überraschung stellte der Freitagabend Main-Act Manu Chao dar. Vielen nur durch „King of the Bongo“ bekannt, überzeugte er das durstige Publikum mit Südsee Punk und Reggae vom Feinsten. Keine Musik für die Kifferlunge, sondern vielmehr für die Füße.

Die britischen Herren der Band Maximo Park beendeten für mich den Freitag. Ich liebe die Jungs, besonders nachdem ich ihre Live-Qualitäten am eigenen Leib spüren durfte. „Apply some pressure and try slepping“

Der Samstag gestaltete sich neben dem Austausch von Festival-Weisheiten wie „Ich bin hier“ zu einem wahren Wirbelsturm. Auf ein Festival gemünzt ein sehr positiver Begriff, gerade wenn man sich auf dem Hurricane befindet. Doch in diesem Fall meine ich das (leider) wörtlich. Die Hitze des Vortages wurde noch bei weitem übertroffen, Schatten suchte man vergeblich und ein heißer Wind fing schon früh an über das Campinggelände zu wüten und Pavillons und Zelte mit sich zu reißen. Ich versteckte mich mit einigen anderen mal in den Bäumen, mal am Straßenrand, mein roter Kopf brannte mehr als jemals zuvor, nur Opas Hut und eine dicke Dreckschicht bewahrten mich vor der endgültigen Verkohlung.

Nach dem Fußballspiel (Leinwandübertragung…zum Glück!) ging es mit Mando Diao am Abend wieder los. Die Schönlinge aus Skandinavien bereiteten die Stimmung vor, so dass anschließend die Hives richtig abräumen konnten. „Walk, Idiot, walk“ oder „Die, all right“ wurden eins zu eins umgesetzt und ich wurde unter einer gewaltigen Staubwolke begraben, Sichtradius: 2meter; maximal.

Frauengekreische und eine schöne Lichtshow führten den letzten und wohl populärsten Act des Samstages ein: The straight rockin’ Strokes. Ich mag sie, schöne Melodien, tiefsinnige Texte und gekonnte Verknüpfung von Solis und Bandarbeit. Auch live überzeugten sie, schade nur dass Frontman Julian Casablanca so zugedröhnt war, dass er bei einigen Texten seinen Text vergaß. Aber na ja, so ist nun mal das Heroin-Indie-Rocker-Leben.

Danach war Schluss, zumindest für mich. Ich ging schlafen und war gewillt bereits am Sonntagmorgen aufzubrechen. Noch mehr Hitze und Staub würde ich nicht überleben. So gingen mir folglich Bands wie Muse, Apocalyptica oder Mad Caddies durch die Lappen, schade, aber ehrlich gesagt war ich auch froh, mich endlich duschen zu können.

Natürlich könnte ich noch mehr erzählen, zum Beispiel über Dosenbier, Taxi-Kinder oder den fast uniformen Klamottenstil in Scheesel (noch nie so viele Vans und Chucksträger auf einmal gesehen), doch denke ich, es ist Zeit hier aufzuhören.

Ein Fazit? Hurricane rockt und macht seinem Namen alle Ehre, nur für Bleichlinge wie mich bei der Hitze unerträglich. Ich werde halt niemals richtig „Festival“ sein….