Endshit im Utgard '07

von Rudi

Ruhe. 
Stille. 
Der Sturm hatte sich gelegt, am Horizont, neue Wolken. Der Nachschub rückte heran. Ich hatte nicht viel Zeit.

Eine abgeschwächte Regenform des Fimbulwinter terrorisierte uns den ganzen Tag, und da sich mein Bruder lieber einem Bier widmete, anstatt mich zur Fähre zu fahren, trotte ich los in Richtung Audorf.

Zuvor brachte ich den undankbaren Bastard rüber zu Scheunemann, wo dieser kurz den Kopf aus seiner Butze streckend, mir meine Jacke zurückgab. Diese hang 10 Tage in seinem Flur, und fühlte sich an wie der Boden des Tucholsky an einem D-Tag.

Nachdem ich diese Strecke überwunden hatte, kümmerten Colin und ich uns darum, dass Auto vollzukriegen. Schnell packten wir Helge und Lars ein, doch Ralf ließ sich wie immer Zeit. Er war bereits bei seinem vierten Bier angekommen, als wir seinen Amp ins Auto verfrachteten, äußerte Unlust, sowie Angst vor Emo-Wikingern, die den Auftritt ruinieren könnten.

Diese würden das Utgard bewachen - die Halle der Giganten, die Gegenspieler der Götter, die an einem Platz außerhalb unserer Welt hausten: Eckernförde. Sie würden das Ragnarök einleiten, und heute galt es einmal mehr sie zu beschwichtigen. 

Roadiemaessig Ralfs Amp in einer Hand tragend und bereits erwartet, trat ich ein in diese Halle, und stellte fest, dass dort jemand offensichtlich den Namen falsch gewählt hatte. Kaum Platz vorhanden und eine ähm keine Bühne; Lars und die neue Frontfrau mussten einfach mitten im Raum stehen. Es würde schwer werden für die Band hier irgendetwas zu reißen. Ich hoffte nur, dass meine heutige Eskapade nicht wie das letzte Mal enden würde, und die anderen bauten erstmal auf.

Ich überbrückte diese Phase, indem ich mir ein Bier holte. Doch das nahm zu viel Zeit in Anspruch, und als ich wieder in den „Konzertsaal“ stolperte, verabschiedete sich die eine Hälfte von meinem Bier auf meinem T-Shirt.

Toll“, notierte ich. Doch dies sollte nicht das einzige Problem werden. Der andere Neuzugang, Kevin am Saxophon, war unhörbar. 

Doch die Eindrücke besserten sich, wurden aber niemals perfekt. Vielleicht lag dies daran, dass Colin sich von der Box entfernt hatte, aber irgendwann war ich endlich in der Lage die Sängerin zu hören, und stellte ihre beeindruckenden Tonfall-Fähigkeiten* fest. Positiv anzumerken waren auch die neuen Lieder, die unter Mitwirkung der neuen Mitspieler entstanden, und diese stärker betonten. So gefielen mir durchaus die Einfälle Kevins bei diesen Werken.

Bewegung in irgendeine Richtung erschien während dieser Zeit wie das Spiel mit einer Kerze - anfangs spaßig, nur irgendwann fing man an seine Möglichkeiten zu überschätzen, und verbrannte sich. Trotzdem schaffte ich es Lars anzutanzen, damit auch dieser ein wenig auflockern konnte.

Als der Kampf ein Ende fand, fanden wir uns verbannt aus den Hallen am Strand wieder und lauschten dem Knistern zerspringender Bratwursthaut. Irgendwo am Horizont meldete sich die Sonne wieder, und wir sprangen mit der Gewissheit ins Auto einmal mehr den Tag und damit die Welt gerettet zu haben.

* Weiß irgendwer wie dieses Tonfall-Dingens bei Frauen heißt? So als ob ich als Mann kurzzeitig in Falsett-Stimme springen würde, nur andersherum bei Frauen. Niemand? Ich glaube, dass ist die Sache, die z.B. Gloria Gaynor berühmt gemacht hat, da sie das so heftig konnte. Dafuer gibts doch bestimmt einen Fachbegriff. Noch immer niemand?