Die Westminister ziehen aus. Ladys in gepflegten Abendkleidern, Herren in Jackett und mit Schlips. Eine rauschende Feier sollte es werden, Möhls war der Gastgeber und Jevenstedt der Ort des Geschehens. Show’n’Shine übelster Sorte.
Nüchtern reflektiert nur ein weiterer Abitur bzw. Abschlussball in Rendsburg und Umgebung. Das zweite Mal nach der Einschulung nimmt man die Eltern wieder mit zu einer schulbezogenen Veranstaltung mit einem gewissen Amüsierfaktor. Was damals bei mir mit einem Fahnentanz der 4. Klässler anfing, sollte nun, 13 Jahre später, mit einem Tanz meinerseits aufhören. Geübt hatte ich, wie viele andere auch, unter der Anleitung des Schrittmeisters Rutkowski.
Nun war es soweit: Freitagabend. Mit einem kleinen Blumenstrauß bewaffnet und meiner gesamtem Familie im Gepäck näherte ich mich dem abseitsgelegnen Dorf. Aufregung? Keine Spur! Hysterie, Trauer oder vielleicht Freude? Nichts dergleichen war zu diesem Zeitpunkt in mir zu finden. Der Abend gestaltete sich von nun an vorhersehbar und, zumindest für die Abiturienten und Freunde, gelassen. Leckeres Essen und eine entspannte Stimmung ließen über kleinere Mängel, wie die viel zu kleine Tanzfläche beim eröffnenden Wiener Walzer hinwegsehen.
Meine Eltern meinten später, dass sie sich zu Tode gelangweilt hatten, und das glaube ich ihnen aufs Wort. Umtrunk, Tanz und die Gewissheit mit dem ein oder anderen vielleicht das letzte Mal in seinem Leben zu sprechen, ließen aber bei uns, dem ehemaligen 13. Jahrgang solche Gefühle der Langeweile gar nicht erst aufkommen. Der Alkohol war bezahlbar, die schlechten und unerträglichen Momente der viel zu langen und gleichzeitig so schnell vorbeigegangenen Schulzeit wurden kurzer Hand ausgeblendet und man erfreute sich noch ein Mal an all den Momenten, von denen man denkt, man würde sie nie vergessen.
Sogar die Coverband überzeugte einen Großteil der Leute. Tanzbare Hits wurden rausgehauen, der Dancefloor war fast immer voll. Zu späterer Stunde wurde dann noch einmal in Erinnerung an das Musical Beatlessongs gefordert. Zu „Let it be“ und lagen sich alle in den Armen. Das erste und letzte Mal entstand nun auch in mir ein merkwürdiges Gefühl. Die Schulzeit ist vorüber. Peinlich, aber ich denke fast jeder Mensch lässt sich in solchen Momenten zur Melancholie hinreißen.
Nun gefiel mir der Abend wirklich. Zu späterer Stunde war es dann so weit: Ein letztes Treffen mit seinen LK-Lehrern, ein letztes Gespräch, Aufklärung über Missverständnisse und natürlich Übergabe der Geschenke. Auch wenn ich mich eigentlich in der Gegenwart von Lehrkräften merkwürdig und unbeholfen fühle, so blieb ich diesen Abend mit am längsten draußen am Tisch mit Herrn Osbahr sitzen…
Der Abend ging bei Dag zu Ende. Eine symbolische Hefteverbrennung machte auch dem Letzten deutlich, dass es nun vorüber sei. Weise Worte oder Heraufbeschwörungen der spannenden Momente in der Zukunft unterlasse ich hier; Herr Löffler hat uns mit seinen Mosaik-Metaphern genug gelangweilt. Ich nutze nur die letzten Zeilen um mich von meinem Jahrgang und der Hela zu verabschieden: Auf Wiedersehen. Gut war es auf jeden Fall.
(Ich entschuldige mich schon jetzt für diesen schleimigen Text und hoffe die leicht kritischen Anspielungen werden verstanden)